01.26.07

Meine Personennummer, Wetter, Preise

Veröffentlicht in Leben im Ausland um 7:04 von Burkhard

Jeder Schwede hat eine zentrale Nummer, die ‚Personnummer‘, die vom Finanzamt verliehen wird. Ohne die Nummer geht nichts, man kann kein Konto eröffnen, kein Kabelfernsehen bestellen, nicht einmal ein Video ausleihen. Andererseits ist alles supereinfach, wenn man erst mal eine Nummer hat. Zum Beispiel habe ich telefonisch Kabel-TV bestellt und einfach meine Nummer angegeben. Sofort wußte der Telefonist meine Anschrift und darüber auch die Art der Verkabelung meiner Wohnung.

Also galt mein erster Gang dem Einwanderungsamt und anschließend dem Finanzamt zwecks Personnummer. Das war eine angenehme Erfahrung: Nirgendwo wartete ich länger als 15 Minuten; einfache Prozesse; kompetente und englischsprachige Mitarbeiter. Nach 2,5 Stunden waren sämtliche Amtsgänge für einen Einwanderer erledigt. Der Versand der Personnummer sollte bis zu zwei Wochen dauern, de facto waren sie aber drei oder vier Werktage später da. Die Telefoniererei mit dem privaten Kabelfernsehprovider war viel lästiger: Ewiges In-der-Warteschleife-hängen am Telefon, einmal wurde ich einfach abgehängt, einmal hatte der Mitarbeiter keine Ahnung. Man konnte den Eindruck kriegen, in Schweden funktioniert der Staat effizienter als Privatunternehmen…

Zum Wetter kann ich so recht noch nichts sagen, denn es war lange auch hier viel zu warm für die Jahreszeit. Dauernd so zwischen 0 und 5 Grad, kein Schnee – fühlte sich an wie Hamburg. Erst in den letzten zwei Tagen ist das Thermometer um 15 Grad auf –10 Grad gefallen. Hell ist es momentan ungefähr acht Stunden am Tag, aber ich kann nicht sagen, dass mir das nun besonders auffällt oder Probleme macht. Winter halt, es wird erst um 8:00 hell und um 16:00 dunkel.

Viele fragen nach den Preisen hier in Schweden. Auch hier ergibt sich kein ganz einheitliches Bild, manches ist billiger und manches teurer als in Deutschland. Teuer sind hier Hotels in der Stadt, was die Touristen spüren. Teuer auch die Mieten in Stockholm, eben auf Weltstadtniveau. Aber auch nun wieder nicht zu teuer, verglichen mit anderen Hauptstädten wie London, Paris oder Zürich. Dass Berlin so billig ist, ist ja ein Sondereffekt. Also ich schätze, mietentechnisch ist Stockholm etwas teurer als München. Teuer auch frisches Obst und Gemüse, wenn man unbedingt etwas Bestimmtes braucht. Aber meist ist irgendetwas im Angebot und dann auch wirklich billig, z.B. 1,20 Euro für fast ein Kilo Kiwis.

Billiger als in Deutschland ist hier Benzin (mittlerweile), Fitness-Studios (unter 30 Euro / Monat) und auch die billigen Mittagsmenüs in allen Restaurants und Hotels (Typisch 7,00 Euro für ein gutes Essen mit Salatbuffet, Getränk und Kaffee).

Da wir kein Hotel brauchen und uns der Arbeitgeber meiner Frau bei der Miete unterstützt (sonst könnten wir uns die Lage kaum leisten), kommt mir Schweden also nicht teuer vor, jedenfalls nicht teurer als Hamburg. Also haben wir am ersten Samstag erst mal Powershopping gemacht und sind zu einer großen Einkaufsmeile vor den Toren der Stadt gefahren. Da wir ein kleines Regal für Aktenordner brauchten, haben wir voll klischeemäßig bei IKEA ein Billy-Regal gekauft. Ohnehin hatte man mir beim Einwanderungsamt erklärt, dass jeder Neubürger innerhalb von zwei Wochen ein Billy-Regal kaufen und erfolgreich montieren muss, sonst kann ihm die Aufenthaltserlaubnis in Schweden aberkannt werden. Oder habe ich das nur geträumt?

Wie ihr hört, können wir uns also nicht beklagen. Ich finde diese Zeit immer herrlich, wo alles noch neu und interessant ist. Klar ist manches auch schwierig, besonders, dass wir jedes Schreiben mühsam entziffern müssen. Aber das wird durch die positiven Seiten mehr als aufgewogen.

01.24.07

Die Überfahrt

Veröffentlicht in Leben im Ausland um 7:03 von Burkhard

Nachdem wir in Stockholm angekommen sind und sich der Umzugstrubel sich ein wenig gelegt hat, finde ich etwas Zeit, Eure Neugier zu stillen und ein wenig über uns zu berichten.

Meine Frau war bereits am 2.1. rübergeflogen und hatte die Möbel in Empfang genommen. Ich habe noch die Wohnungsübergabe an den Nachmieter und einige andere Dinge erledigt und bin dann am 10.1. mit unserem Auto hochgefahren. Die Fahrt war schon ein Abenteuer. Ich wollte die TT-Linie (Travemünde – Trelleborg) nehmen, die mehrmals täglich fährt, aber die Abfahrt um 3:00 morgens nehmen kaum Privatleute, sondern nur Trucks. Es gab in Travemünde keine separate Wartelinie für PKW, und so kam ich mir etwas verloren vor in Wartelinie 12 von 20, vorne, hinten, rechts, links nichts als Vierzigtonner. Die Fähre verfügt über 2,4 Kilometer (!) laufender Stellfläche für Fahrzeuge, das sind 160 Lastwagen oder so, und ungefähr so viele umringten mich auch. Außer meinem Saab gab es nur zwei andere PKW…

Dafür waren die Kabinen gut, etwas größer als auf den anderen Fähren, mit marmorgefliestem Bad und so. In Travemünde angekommen, fuhr ich beim Grenzbeamten vor: „Haben Sie etwas zu verzollen?“ „Nein!“ „Was machen Sie in Schweden?“ „Ich ziehe nach Stockholm!“ „Ah, toll, gute Fahrt!“. Dabei lag mein Wagen hinten ziemlich tief, nicht nur wegen der 15 Kisten Wein. Aber ok, das ist ja erlaubt. Trotzdem hätte ich sicher restlos alles ausräumen dürfen, wenn er den Kofferraum geöffnet und die ersten Kisten gesehen hätte…

Die 650 km Fahrt bis nach Stockholm verlief bis auf den Dauerregen ereignislos. Zwei Dinge gab es auf der ganzen Strecke nicht: a) Baustellen, b) IKEAs. Dafür Dutzende von McDonalds, die reinste Landplage.

Meine Frau hatte das ganze Wochenende vom 6.-7.1. durchgearbeitet und die Wohnung wirklich schon sehr gut eingerichtet – kaum noch Umzugskisten. Ein toller Empfang! Am nächsten Tag konnte ich die Wohnung noch einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen. Wir wohnen in einem Mietshaus von 2001 im siebten Stock (von acht). Verglichen mit deutschem Standard ergibt sich ein uneinheitliches Bild. Einerseits sind die Elektrogeräte von Elektrolux schon etwas zurück verglichen mit deutschem Standard. Auch die einfache Dusche und der merkwürdig gelöste Wasserablauf bei der Badewanne lassen mich unser Badezimmer in Deutschland vermissen.

Andere Dinge sind dafür wieder sehr modern. Die bartlosen Schlüssel zum Beispiel: Man hält sie einfach vor ein Kontaktfeld neben der Tür. Das tut man auch am Briefkasten, wodurch der Kasten aufspringt. (Einer der Kästen ist postgelb; dort kann man ausgehende Briefe einwerfen, die der Briefträger mitnimmt – cool!). An einem elektronischen Eingabeterminal im Keller kann man eine Zeit für die Haussauna buchen, in dem Zeitintervall von 3 Std. öffnet dann nur der eigene Schlüssel die Saunaanlage. Modern auch der Zentralstaubsauger. Weiter verfügt jedes Zimmer über Internet- und Telefonanschluß, wobei Breitband-Internetzugang und Telefon-Grundgebühr in der Miete enthalten sind.

Die Saunaanlage haben wir auch schon ausprobiert. Sie besteht aus Saunaraum, Dusche und Aufenthaltsraum, wobei letzterer ulkigerweise auch als kleiner Konferenzraum verwendet werden kann – dort steht z.B. ein Flipchart. Ob die Schweden wirklich in der Sauna Geschäfte tätigen, oder ist das nur ein Klischee?