3 März, 2007

Krank sein in Schweden

Posted in Schwedischer Staat um 7:09 pm von Burkhard

Letzte Woche konnte ich erste Erfahrungen mit einem Gesundheitssystem machen, das weder Arztpraxen noch Krankenversicherungen noch Rezeptblöcke kennt.

Das System ist im Wesentlichen steuerfinanziert. Man zahlt ca. 15 Euro pro Besuch aus eigener Tasche, der Rest kommt vom großen staatlichen Steuertopf. Gewisse Dinge kann man privat zusatzversichern, aber eine Krankenversicherung wie in Deutschland gibt es nicht.

Sobald man registriert ist, bekommt man einen Arzt zugewiesen. Der ist erst einmal aufzusuchen, bei Bedarf wird man dann von ihm oder ihr an einen Spezialisten weiterverwiesen. Aber eine freie Arztwahl gibt es nicht.

Die Ärzte haben auch keine separaten Praxen, sondern die Gesundheitsversorgung findet aus den Krankenhäusern heraus statt, in denen die Ärzte ihre Behandlungsräume haben. Das ganze ist sehr gut organisiert; überall muss man die in Schweden ohnehin allgegenwärtigen Nummernzettel (Nummerlapp) ziehen und wird dann aufgerufen: einen roten Nummerlapp am ärztlichen Empfang, dort bekam ich einen grünen Nummerlapp für den Arzt selbst, später brauchte ich einen gelben Nummerlapp für das Blutabnehmen bei der Krankenschwester. Es gab auch noch blaue Nummerlapps, keine Ahnung wofür. Wer es nicht mehr packt, bekommt sicher einen schwarzen Nummerlapp für die Abholung durch den Bestatter.

Papierrezepte gibt es nicht mehr; vielmehr tippt der Arzt die Verschreibung in seinen Computer ein, wonach man das Medikament durch Vorzeigen des Passes bei jeder Apotheke Schwedens abholen kann.

Insgesamt ist die schwedische Versorgung Weltklasse, es gibt insbesondere sehr gute Spezialisten. In meinem Reiseführer stand, dass die Atmosphäre teilweise schon sehr nüchtern ist, die Ärzte aber qualifiziert und die technische Ausrüstung auf dem neuesten Stand. Nun, meine Stichprobe bestätigt jedenfalls diese Aussage. Leute, die in der Arztpraxis allerdings Wellnessurlaub machen wollen, mit klassischer Musik im Wartezimmer und so, werden hier aber wohl nicht glücklich. (Finde ich gut, wer sowas braucht, soll dafür zahlen und nicht die Gemeinschaft belasten). Problemfrei läuft das System aber auch nicht; die Ärzte klagen darüber, dass mehr als 50% ihrer Zeit für Bürokratie draufgeht, was wiederum die Steuerkasse sehr belastet. Ausserdem herrscht auf dem Lande teilweise starker Ärztemangel.

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