17 April, 2007

Pflichten eines Einwanderers, oder: Wie lerne ich Schweden kennen?

Posted in Leute, Mentalität um 10:14 am von Burkhard

Von Einwanderern nach Deutschland erwarte ich dreierlei: a) dass sie die deutschen Grundwerte nicht nur tolerieren, sondern aktiv unterstützen, b) dass sie sich um die deutsche Sprache bemühen und c) dass sie mittelfristig auch Kontakt zu Deutschen suchen und nicht Jahrzehnte auf einer ‚Insel’ leben.

Natürlich habe ich hier einen dementsprechenden Anspruch auch an mich selbst. a) und b) sind insofern kein Problem, als man das aus sich selbst heraus angehen kann. Zu c) gehören jedoch immer zwei, und da muss sich das aufnehmende Land natürlich fragen lassen, inwieweit es den Kontakt zu den neuen Mitbürgern sucht und erleichtert.

Also: Wie bekommt man bloß Kontakt zu Schweden? Mein Wissensstand dazu ist bisher wie folgt:

Die Schweden haben oft ihren ‚inneren Kreis’, Famile und enge Freunde. Gefeiert wird gern in diesem Kreis. Das hat aber auch eine andere Seite: Sie sind sozusagen ‚familien-selbstgenügsam’. Das heisst, eine fremde Person wird nicht so leicht in diesen Kreis hineingelassen. Es dauert sehr lange, bevor man einmal von einem Schweden nach Hause eingeladen wird.

Das passt in mein Bild, nach dem die Schweden im Herzen ein Landvolk geblieben sind, mit einem kleinen, aber dafür um so engeren Freundeskreis. Mit einem Wort: Ein ganzes Land voller Sauerländer! Damit sollte ich klar kommen, dachte ich früher optimistisch, bin ich doch selber einer. Aber wenn ich ehrlich bin: Wollte ich z.B. als portugiesischer Einwanderer in einem sauerländischen Dorf wohnen? Klare Antwort: Nein, das fände ich äußerst schwierig. Diese Mentalität zu kennen heisst noch lange nicht, ihre Nachteile auch leicht überwinden zu können.

Nicht, dass ich missverstanden werde: man ist nicht etwa ausländerfeindlich. Bisher haben weder wir noch irgendein Bekannter hier jemals einen Schweden unfreundlich erlebt, geschweige denn feindselig. Zumindest gegenüber Deutschen scheint das so zu sein, über andere Herkunftsländer kann ich nichts sagen.

Aber es scheint schon eine gewisse Ignoranz dazusein, ein mangelndes Interesse breiter Kreise, vielleicht den eigenen Horizont im Umgang mit Menschan aus anderen Ländern auch einmal zu erweitern. ‚Ihr stört uns nicht, aber ihr interessiert uns auch nicht’ scheinen die meisten Schweden über uns zu denken.

Nebenbemerkung: Das kenne ich aus Amerika ganz anders, daher lasse ich über das Sozialverhalten der Amis nichts kommen. Bei Sprüchen über die ‚oberflächlichen Amerikaner’ bekomme ich immer Pickel. Aber das zu diskutieren führt an dieser Stelle zu weit.

Hat man die hohe Anfangshürde aber einmal überwunden, sind die Schweden aber wirklich äußerst freundschaftlich und hilfsbereit. Zum Beispiel leidet eine Sprach-Mitschülerin genau wie alle anderen in der Sprachgruppe unter der Schwierigkeit, Kontakte zu Schweden zu knüpfen. Am Wochenende hat sie allerdings ihr beruflicher Mentor und seine Frau zu einem Wochenende in sein Ferienhaus eingeladen. Sie erlebte eine tolle Gastfreundschaft, mit Abholen, Bekocht-Werden usw. – sie fühlte sich bemuttert wie noch nie, nannte ihre Gastgeberin ‚die perfekte Tante’.

Einfach so, aus Geselligkeit und Interesse am Gegenüber, kommt man hier also nur schwer zu Freunden. (Über jeden Tipp hierzu bin ich dankbar!) Eine Möglichkeit ist vielleicht, den Umweg über Vereine, Interessengemeinschaften, Kurse usw. gehen. Das Problem ist nur, hierzu neben Arbeit, Sprachkurs (da sind natürlich keine Schweden drin), Sport usw. die Zeit zu finden. Unser Sprachlehrer empfahl uns, zur Kontaktaufnahme einen der äußerst vielfältigen Kurse an der ‚Folkuniverstitetet’ zu besuchen. Dort wird wirklich alles angeboten, sogar ein Kurs ‚Nähe Dir Deinen eigenen BH!’. Na, da könnte ich doch mal beim Anprobieren helfen.

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3 Kommentare »

  1. Schwieriges Thema, das du da ansprichst. Ich kann deine Einschätzung im Prinzip bestätigen. Kontakt zu Schweden zu finden, kann schwierig sein, hört man immer wieder.

    Mir fällt auch gerade kein konkreter Tipp ein, außer dem, den du selbst genannt hast: Über einen Verein oder ähnliches, Leute finden, mit denen man ein Hobby teilt. Generell am öffentlichen Leben teilzunehmen (Veranstaltungen besuchen etc.) ist gut. Ansonsten können Arbeitskollegen ja auch der erste Anlaufpunkt sein, je nachdem wie die Atmosphäre da ist.

    Gruß
    Thomas

  2. mischpoke said,

    Guter Tip : Kinder anschaffen, darüber gings bei uns sehr schnell oder manchmal zu schnell. 😉 Gruss aus dem sonnigen Lund Anneka
    P.S: Hier seit doch Christen, so versuch es mal mit ner schwedischen Gemeinde und dem dazugehörigen Chor (falls Du singen magst und kannst 😉 )

  3. mischpoke said,

    Soorry sollte heissen: Ihr seid oder ist das nun wieder falsch, puh ich glaub ich muss mal zu meinem Mann in den Unterricht


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