7 Mai, 2007

Still, still, still

Posted in Uncategorized um 4:36 pm von Burkhard

Momentan finde ich es nicht ganz leicht, mich auf die ruhige Art der Schweden im beruflichen Umgang miteinander einzuschießen. Eigentlich bin ich selbst eher ruhig, und so ging meine Selbsterziehung bislang in die Richtung, als Trainer und Referent lebhaft, mitreißend, positiv und interaktiv zu sein.  

Nicht unbedingt eine gute Idee hier. Letzte Woche hatte ich einen Vortrag zu halten, und das Feedback war, dass man inhaltlich beeindruckt war, aber mich etwas zu ‚pushy’ fand, zu direkt und zu druckvoll. Ich und zu pushy! Also da kenne ich aber manche andere Kollegen, die dann dort wohl achtkantig herausgeflogen wären, bei deren Art, auf die Leute zuzugehen.  

Andere Deutsche berichten vom gleichen Problem. ‚Nimm Dich bloss zurück’, heisst die Devise.  

Donnerstag und Freitag nahm ich dann an einem Seminar teil. Der Trainer war ein sehr guter und erfahrener Amerikaner. Ich habe während der zwei Tage vier oder fünf mal etwas gesagt und war von allen Teilnehmern damit mit Abstand derjenige, der am meisten gesprochen hat! So eine Ruhe kann einen Trainer mehr irritieren als offene Kritik. Ich habe den armen Mann abschließend zum Gamla Stan chauffiert und ihn beruhigt, dass er sich keine Sorgen über seine eigene Leistung machen solle, so seien die Leute hier eben.  

Vorlaute Laberbacken sind das schlimmste für mich. Insofern ist mir die Ruhe hier lieber als das Gegenteil. Mit einem Saal voller schnatternder Windbeutel kann ich immer nur eine Zeitlang umgehen, bevor sie spüren, dass ich sie für Hohlkörper halte. Womit ich mir natürlich keinen Gefallen tue.  

Insofern denke ich schon, dass ich mich auf die Leute hier einstellen kann. In den Nachgesprächen war ich dann beeindruckt, wie gut sie doch alles verfolgt und verstanden haben. Es ist nicht etwa so, dass sie nichts mitbekommen oder einfach nur ihre Zeit absitzen.  

Trotzdem finde ich es auch etwas schade. Warum soll man in einem Seminar nicht auch mal diskutieren, auch mal Meinungen austauschen, auch mal anderer Meinung als der Referent sein, auch mal Blödsinn reden, auch mal zusammen lachen? Denn dafür habe ich ein gutes Gedächtnis: zusammen gelacht wurde in den zwei Seminartagen genau null mal.  

Ein tschechischer Freund von mir hat in Finnland gelebt und noch ganz andere Geschichten erzählt. ‚Silence is fun’ ist deren Motto. Seinen Erzählungen zufolge findet kein Finne jemals ein gemeinsames Schweigen als unangenehm oder peinlich. Dazu gehört auch, zu telefonieren und dabei minutenlang am Telefon nichts zu sagen. Das finde ich schon faszinierend. Irgendwo ist es auch eine Stärke, einfach nur gemeinsam zu sein und nicht immer die Gemeinsamkeit durch Gerede bestärken zu müssen.  

Also wie ihr seht – so richtig entschieden habe ich mich noch nicht, wie ich die Ruhe des Nordens finden soll.

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1 Kommentar »

  1. jan-erik said,

    Hallo Burkhard,

    „minutenlang am Telefon nichts zu sagen“; nicht dass ihr am Telefon irgendwann einschlaft!


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