27 Juli, 2007

Kommissar Wallander

Posted in Kunst und Kultur um 1:34 pm von Burkhard

In lockerer Folge möchte ich einige skandinavische Krimiautoren besprechen. Den Anfang sollen die Romane um Kommissar Wallander von Henning Mankell machen.   

Grundsätzliches

Kommissar Kurt Wallander lebt und arbeitet in der südschwedischen Kleinstadt Ystad. Neun Romane erzählen von ihm und seinen Fällen. Der letzte Roman hat seine Tochter Linda als Hauptfigur.  

Anspruch

Sehr hoch. Für Kriminalromane ungewöhnlich hoher literarischer, psychologischer und gesellschaftskritischer Anspruch. Figuren und Szenen werden sehr detailliert und präzise entwickelt. Definitiv eine Empfehlung auch für Literaturfreunde, die sonst keine Präferenz für Krimis haben. Keine literarische Schnellkost.  

Skandinavienflair

Hoch. Mankells Darstellung der Gesellschaft gibt einen Einblick in schwedische Denkweise, auch und gerade weil er die Bedrohung dieser Denkweise beschreibt durch Themen wie z.B.  Vereinsamung, Sektentum, Globalisierung oder Computerkriminalität.  

Charakterzeichnungen

Sehr, sehr gut. Wallander ist ein sympathischer Antiheld mit vielen Problemen: Midlife Crisis, Übergewicht, Scheidung, Generationenkonflikt mit seiner Tochter, Alkoholismus, Diabetes, unglücklichen Liebschaften… Gewisserweise lebt er ständig am Abgrund und kurz vor dem Zusammenbruch. Aber er hat auch Stärken: einen moralischen Anspruch, Kollegen, Arbeitswut, Einfühlungsvermögen. Meistens sieht er kaum einen Sinn in seiner Arbeit oder seiner Existenz und macht nur aus Gewohnheit oder einer unbestimmten inneren Wut weiter. Ab und zu blitzt jedoch auch für ihn Hoffnung und Vertrauen in die Sinnhaftigkeit seiner gebrochenen Existenz auf.  

Sonstiges

Es gibt Verfilmungen. Die Darsteller sind gut und transportieren die Charaktere recht genau. Aber in denen für die Verfilmung zusammengeschnittenen und geänderten Drehbüchern ist nichts mehr von Mankells anspruchsvollen Geschichten übrig.  

Was ich besonders mag

Wallanders wichtigstes Ermittlungsinstrument ist die Kraft seines eigenen Unbewussten. Zum Beispiel sieht er das Zimmer eines in den Fall verwickelten jungen Mädchens. Genau wird das Zimmer beschrieben. Zu diesem Zeitpunkt spürt Wallander bereits, dass irgendetwas an dem Zimmer ungewöhnlich ist und es ihm etwas Wichtiges sagen will. Er kann es aber noch nicht fassen oder benennen. Er schreibt auf, denkt nach, arbeitet mit üblichen Ermittlungsmethoden. Aber parallel dazu arbeitet es in seinem Unbewussten, auf einer nicht verstandesmäßigen Ebene. Oft lange Zeit später fällt ihm ein, was das Zimmer ihm sagen wollte. ‚Einfallen’ heißt dabei, das die Erkenntnis aus seinem Unbewussten ihren Weg zu einem fassbaren Gedanken gefunden hat. Allein diese Fähigkeit zeichnet Wallander gegenüber seinen weniger erfahrenen Kollegen aus. Nur deshalb kann er überhaupt seine Fälle lösen.   

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1 Kommentar »

  1. gerard und gabi said,

    hallo burkhard und steffi,
    nach einem besuch bei lieben freunden in stockholm sind wir nach ystad gefahren und sind auf den spuren von wallander gewandelt.
    unglaublich wie eine kleine stadt (vielleicht 30.000 ew) „seinen“ schriftsteller auf wunderbare weise vermarktet.
    eigens für die wallander/mankellfilme gibt es ein filmstudio. man spricht von ystwood. eine feuerwehrauto fährt mit interessierten touristen durch die stadt und man bekommt alle schauplätze der filme gezeigt.
    natürlich haben alle lokale und hotels eine wallanderecke, in der die filmcrew oder mankell gefrühstückt, gegessen, geschlafen etc, hat.
    wir waren begeistert und können diesen abstecher nur weiter empfehlen.


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