7 November, 2007

Stockholms Smultronställen

Posted in Stockholm-Attraktionen um 12:03 am von Burkhard

‚Smultronställe’ heisst übersetzt sinngemäß ‚Lieblingsplatz’. Eigentlich ist es der Platz im Wald, an dem man die leckersten Smultronen (Walderdbeeren) gefunden hat und zu dem man daher gern zurückkehrt.  Es gibt Bücher mit Stockholms Smultronsställen, aber die Schönsten sind doch immer noch die, die man selbst entdeckt hat. Hier drei meiner persönlichen Smultronställen in Stockholm.  

Im Garten der Waldemarsudde findet sich eine kleine Bronzeplastik einer Frau, die sich so lasziv dahinräkelt, dass man es wohl obszön nennen müsste, wenn es nicht Kunst wäre. Hinter der Figur befindet sich ein winziger künstlicher Teich, der von Bänken umgeben ist. Im Teich schwimmt eine Plastikente. Man blickt aufs Schärenwasser und das gegenüberliegende Södermalm. Man sitzt windgeschützt und nach Süden hin; bei Sonnenschein wird es schön warm. Die Stelle ist so versteckt, dass hier nur wenige Leute hinfinden. Nein, ich stelle kein Foto ein – selber hingehen … 

Die Altstadt (Gamla Stan) ist in größeren Teilen eine üble Touristenfalle, aber eben nicht nur. Bei Dunkelheit und schlechtem Wetter entwickelt sie einen enormen Charme, mit den gelben Laternen und den nass glänzenden Pflastersteinen. Ich gehe dann gern durch die Seitengäßchen, aus denen der Regen die letzten Touristen vertrieben hat. Manchen mögen die finsteren Ecken und Winkel erschrecken, aber ich fühle mich in Stockholm absolut sicher; ich kann nicht einmal erklären, warum. Ein Gefühl der Verbundenheit mit den Menschen, die hier vor Jahrhunderten lebten, stellt sich ein. Wird mir kalt, gehe ich durch einen nicht einmal mannshohen, bogenförmigen Durchgang in die Seitengasse mit dem winzigen Jerusalem Kebap. Der jüdische Besitzer erkennt Deutsche, ohne dass sie ein Wort gesagt haben, spricht sie auf deutsch an, und ist immer für ein scharfzüngiges Witzchen zu haben. Hier schmeckt mir auch ein Kebap, während ich sonst einen Bogen um Kebapbuden mache.  

Im Eriksdalsbadet befindet sich auch ein Fitneßstudio. Die Ellipsen-Kardiogeräte sind an einer besonders schönen Stelle aufgestellt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Studios in Stockholm, die kein oder kaum Tageslicht bieten, steht man im 2. OG direkt hinter einer Wand ganz aus Glas. Man blickt auf Wasser, einen Bootshafen, Wiesen, Bäume. Spaziergänger und Jogger ziehen vorbei, und Badende planschen im zur Linken liegenden Außen-Whirlpool des Bades. Am Uferweg steht ein Schild, das Radfahrer zur rücksichtsvoller Fahrweise ermahnt, insbesondere gegenüber älteren Personen und Liebespärchen (!). Die ganze Szenerie ist so friedlich, dass man neben dem körperlichen Training den Geist gleich mit erholt. Leider wirkt die Glaswand wie ein Treibhaus, so dass es im Sommer oft zu heiß wird. Dennoch gehe ich hier gern hin. Anschließend geht es in den riesigen Kraftraum. Hier geht es nicht ganz so idyllisch zu, besonders, wenn der Trainer im Rollstuhl (wirklich!) mal wieder eine seiner Lieblingsbands aufgelegt hat, Rammstein.

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