14 November, 2007

Die Vorzüge der Sklavenhaltung

Posted in Typisch schwedisch um 9:44 am von Burkhard

Ein Nachteil an Schweden ist sein Mangel an Sklaven. Zum Beispiel reinigt ein älterer Herr mein Büro. Weisser Hautfarbe, um die 50; er könnte optisch auch der Boss hier sein. Aber er moppt unter meinem Schreibtisch und wischt die Kaffeetassenringe darauf weg.

Das bereitet mir ein gewisses Unbehagen. Warum eigentlich? Würde die Arbeit von einer jungen Osteuropäerin vorgenommen, hätte ich sie mit Sicherheit nicht mal wahrgenommen.  Okay, ein Teil meines Unbehagens hat wohl mit dem Respekt vor dem Alter zu tun. Warum dient der Ältere dem Jüngeren? Bis zu einem gewissen Grade, finde ich, haben eher die Älteren Anrecht auf die Dienste der Jüngeren, solange es nicht deren Lebenspläne erstickt. 

Aber seien wir ehrlich, ein Rest Sklaventreiber-Mentalität ist auch dabei. Ich bin es aus Deutschland einfach so gewohnt, dass schlecht bezahlte Arbeiten von einer sozialen Unterschicht meist ausländischer Herkunft (ob mit deutschem Pass oder nicht) gemacht werden, so dass mir das Gegenteil hier auffällt. Hübsche Blondinen putzen hier das Klo – sollten das keine leberfleckigen Rumäninnen mit schlechten Zähnen sein? Und wieso hat der Taxifahrer einen schwedischen Nachnamen und ein Ferienhaus in Dalarna? Na ja, wenigstens ist der Tellerwäscher in der Firmenkantine schwarz.  

In den meisten Ländern gibt es ein Meer Ungelernter, die für schlechtes Geld zu arbeiten bereit sind, oft fast ohne Rechte. Mit anderen Worten: Sklaven. Hier dagegen werden Taxifahrer in Anzeigen in der U-Bahn verzweifelt gesucht, oder Fließbandarbeiter für das Scania-Werk. Da die Job-Nachfrage das Arbeitskräfte-Angebot übersteigt, sind auch die einfachen Jobs relativ gut bezahlt. Im internationalen Vergleich verdient mein Putzopa garantiert traumhaft gut. Kein Wunder ist alles teuer hier in Schweden, denn Sklaverei hält die Preise niedrig.  

Im Ernst, ich lebe gern in einem teuren Land, wenn ich dafür das Gefühl habe, dass auch die Reinigungskraft in meinem Büro menschenwürdig entlohnt wird. Ich bin auch für einen Mindestlohn. Allerdings schüttle ich den Kopf über Leute, die gleichzeitig einen Mindestlohn und billigere Butter fordern.  

In Deutschland gibt es ja noch die Absurdität, dass der Staat deutsche Leistungsunwillige auf einem Niveau durchfüttert, das dem niedrig bezahlter Jobs nahekommt (mittlerweile allerdings in abnehmendem Maß). Durch die offenen Grenzen gibt es aber dennoch genug Sklaven, sprich Niedriglohn-Willige – aber eben keine Deutschstämmigen. So einen inländischen Bodensatz kennt Schweden übrigens nicht: Jeder muss angebotene Jobs annehmen, sonst gibts kein Geld vom Staat, auch wenn das der Vorstellung linker Sozialromantiker vom Sozialparadies Schweden widerspricht. Ich finde das goldrichtig. Faire Löhne: ja, Recht aufs Faulsein: nein.  

Den besten Sklavenmarkt gibt es aber nach wie vor in Amerika – Tradition verpflichtet. Die Sklaven heißen heute allerdings ‚illegal immigrants’ oder einfach ‚illegals’. Bequemerweise haben sie keinerlei Rechte. Ich sah in Brooklyn einen, der nachts auf der Straße das draussen ausgestellte Gemüse eines Obstladens bewachte, denn 3,50 Dollar Stundenlohn für den Wächter ist billiger, als das Gemüse täglich reinzuholen. Und die Hemden meines Cousins aus der Wäscherei waren nicht nur gewaschen und gebügelt, sondern perfekt zusammengelegt wie ein ladenneues Hemd, mit Pappkragen und Nädelchen. Kostenfaktor 1,50 Dollar. Als ich damals in den USA lebte, brachte ich die Hemden auch zur Wäscherei. Wer ist denn so blöd und bügelt für einen Dollar (allerdings ohne Pappkragen) seine Hemden selber? Alle politischen Initiativen zum Thema ‚illegals’ sind so gestaltet, dass sie das Problem auf keinen Fall lösen, denn ohne dieses Problem hätte die amerikanische Wirtschaft sofort ein noch viel größeres Problem.

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1 Kommentar »

  1. Sofern der erste Satz ironisch gemeint ist, stimme ich zu. 🙂

    Dass „schlechte“ Arbeiten, die ansonsten keiner machen will, gut entlohnt werden, um Leute zu finden, ist nur logisch und da hat Schweden in der Tat anderen Ländern einiges voraus.

    Schön, dass du wieder bloggst übrigens…


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